im Kreis Heinsberg

Schloss 

Tüschenbroich


Die Familien 

Gormans – Jungbluth – Krapoll

Besitzer des Rittergutes Tüschenbroich


veröffentlicht im Leinpfad Nr. 87 im Jahre 2012 von 

Sibylle  Cremer

Unweit des kleinen Ortes Tüschenborich steht der Teil eines alten Wasserschlosses, am Rande eines schönen, großen Weihers, an dem zwei Mühlen, die Öl- und Kornmühle liegen.

Ein heute idyllischer, verträumter Ort, wo man sogleich eine Zeitreise antreten möchte, um ein Stück in die historische Geschichte  einzutauchen.

Gormans:

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts lebte auf dem Zourshof in Westrich, Pfarre Keyenberg, das Ehepaar Robert Gormans und Langen, Maria Constantia, die als Halbwinner den alten Rittersitz gegen die Hälfte des Ertrages bewirtschafteten.

[ Gormans, Robert, villicus-Halfe * in Venrath, ~ am 20.10.1731 in Wanlo, + am 05.04.1789 in Villa Zours, oo am 18.08.1754 in Keyenberg rk mit Langen, Maria Constantia,villica, Witwe von Schumacher, Hermann Franz, villicus villa Zours ]

Der Sohn, Johann Adam Gormans, geboren am 27.02.1764 in „Villa Zours“ studierte Rechtswissenschaft und ließ sich um 1792 als Dr. jur. und Advokat in Erkelenz nieder.

Er heiratete in Beeck bei Wegberg am 19.10.1793 die Witwe Maria Constantia Engels, geborene Cremer. Maria Constantia entstammte mütterlicherseits der Familie Ohoven aus Terheeg, deren Vorfahren bis auf Heinrich Middelman, Vogt von Erkelenz und Niederkrüchten zurückzuführen ist.

[ Cremer, Maria Constantia ~ am 31.03.1756 in Lövenich rk, Eltern: Cremer, Petrus + am 14.08.1764 in Lövenich oo am 07.05.1744 in Lövenich rk mit Ohoven, Anna Gertrud * in Terheeg, getauft am 11.04.1719 in Erkelenz, + am 20.04.1780 in Lövenich ]

Aus ihrer ersten Ehe mit Johann Engels in Rath brachte Constantia Cremer ein 7jähriges Töchterchen, Gertrud, mit in ihre 2. Ehe.

[ Engels, Johann + am 27.01.1789 in Rath oo am 16.12.1783 in Lövenich rk mit Cremer, Maria Constantia. Kind: Gertrud * in Rath, ~ am 04.06.1786 in Beeck bei Wegberg ]

Es war die schwere Zeit der französischen Besatzung. Gesetze wurden geändert, Maire-Bürgermeistereien gegründet, Standesamtsregister eingeführt, Bevölkerungslisten erstellt, Wohnungen, Lebensmittel und Vieh beschlagnahmt. Zur Aufbesserung der Finanzen des französischen Staates wurden die säkularisierten kirchlichen Güter versteigert und gingen überwiegend in den Besitz privater Käufer über. Am 3. Oktober 1794 zogen die Franzosen in die Stadt Erkelenz ein.

Die Erkelenzer Bevölkerung wurde gegen geringes Gehalt gezwungen in französische Dienste zu treten. Johann Adam Gormans, der fließend französisch sprach, ernannte man von 1796-98 und von 1808-1814 zum Bürgermeister der Stadt. Er nutzte seine Stellung, um zwischen den Bürgern und der Besatzungsarmee zu vermitteln und erwarb mit kaufmännischem und politischem Geschick ein großes Vermögen.

Nachdem sein erstgeborener Sohn Johann Peter 1794 nach 14 Tagen schon wieder verstorben war schenkte ihm seine mittlerweile 40jährige Gattin am 09.10.1796 einen langersehnten Stammhalter, Hermann Josef Gormans.

[ Gormans, Johann Adam, Notar und Bürgermeister * Villa Zours, Westrich ~ am 27.02.1764 in Keyenberg rk + am 02.01.1820 in Erkelenz oo am 19.10.1793 in Beeck bei Wegberg mit Cremer, Maria Constantia ~ am 31.03.1756 in Lövenich + am 14.06.1836 in Erkelenz. ]                                                                                                                       

Kinder: Johann Peter ~ am 29.10.1794 in Erkelenz + am 16.11.1794 in Erkelenz und Hermann Joseph * am 09.10.1796 in Erkelenz + am 16.04.1867 in Erkelenz, ledig ]

Hermann Josef wuchs mit seiner Halbschwester Gertrud Engels im Hause seiner Eltern des Bürgermeisters und Notars Dr. Johann Adam Gormans am Erkelenzer Markt auf. 

Gertrud Engels heiratete am 17.10.1808 in Erkelenz den Advokaten Franz Heinrich Joseph Jungbluth aus Aachen, geboren am 23.02.1775 in Aldenhoven.

Hermann Josef Gormans absolvierte das Gymnasium und studierte an verschiedenen Universitäten Jura  u.a. in Heidelberg und Paris.

Sein Vater, Johann Adam Gormans, war von 1814-1816 Kantons- Kommissar, was dem heutigen Landrat entspricht. Nach dem Abzug der Franzosen  ffiel Erkelenz 1815 an Preußen. Wegen Krankheit legte Dr. Johann Adam Gormans 1819 sein Amt als Notar nieder und verstarb am 02.01.1820 mit nur 55 Jahren in seinem Hause am Erkelenzer Markt. Sein einziger Sohn Hermann Josef übernahm 1828 als Notar, nachdem er seine juristischen Studien beendet hatte die Amtsräume seines Vaters an der Südseite des Erkelenzer Marktes. Schon durch die Stellung seines Vaters war er zu Einfluss und Reichtum gekommen und so war es selbstverständlich, dass er als Ratsherr und beigeordneten Bürgermeister ins Erkelenzer Rathaus einzog. Am 14.06.1836 verstarb seine Mutter, Gormans, geb. Cremer, Maria Constantia. Sie wurde auf dem Friedhof an der Brückstrasse in Erkelenz beigesetzt. Hermann Josef blieb bis zu seinem Tode ledig. Er und seine Halbschwester Gertrud Engels, verheiratete Jungbluth in Aachen erbten zu gleichen Teilen den elterlichen Nachlass.

Hermann Josef Gormans war inzwischen Justizrat geworden und besaß durch kluge Finanzaktionen ein ziemlich großes Vermögen, darunter auch eine wertvolle Gemäldegalerie.

1834 verkaufte Otto Kauwertz, als Spezialbeauftragter der Ida Natalia Auguste , geb. Freiin von Spiering, verheiratet mit dem württembergischen Grafen Carl Friedrich von Dillen, der Erbin von Tüschenbroich und Doveren alle ihre in der preußischen Rheinprovinz gelegenen Güter an den Erkelenzer Notar Hermann Josef Gormanns  für 92 000 preußische Taler, kostenfrei bis zur dritten Rate 1837 zu zahlen in Silbergeld. Diese Besitzungen umfassten u. a. den Rittersitz Doveren, den Kühlerhof und den Loherhof mit Ländereien, den Karkerhof und das Rittergut Tüschenbroich.  Gormanns wurde durch den Kauf des Rittergutes Tüschenbroich landtagsfähig. Das alte Schloss Tüschenbroich , mit den dazugehörigen Höfen, Mühlen, Wald-Wiesen- und Ackerland hatte eine Größe von 187,86 ha. Gormans ließ viele Instandsetzungen und Absprüche am alten, verfallenen Schloss vornehmen.

Als Schlossverwalter übernahm er als lebendes Inventar Peter  Kohlen und seine Familie. Die Familie Kohlen blieb 4 Generationen lang Schloss- und Forstverwalter.

[1. Generation: Kohlen, Peter Heinrich, Ölmüller,Verwalter, Ackerer * in Geneiken + am 10.10.1840 Schloss Tüschenbroich oo mit Mentz, Maria Theresia aus Brunbeck             

2. Kohlen, Johann Leonhard, Verwalter und Ackerer * 1817 Schloss Tüschenbroich + am 05.05.1890 Schloss Tüschenbroich oo mit Jacobs, Anna Maria Theresia aus Brunbeck                                         

 3. Kohlen, Johann Peter, Verwalter und Förster, * 1869 in Tüschenbroich + am 05.10.1957 in Tüschenbroich oo mit Hutmachers, Anna Catharina aus Kleingladbach                          

4. Kohlen, Johann Leonhard,Forstverwalter, * 1902 in Tüschenbroich + am 02.05.1981 in Wegberg  oo mit Zurkaulen, Henrietta aus Schwanenberg]                                                   

Noch zu seinen Lebzeiten vermachte Notar Gormans 1850 seiner Halbschwester Gertrud, der in Aachen lebenden Witwe, Heinrich Jungbluth, Schloss Tüschenbroich mit dem zugehörigen Landbesitz.

Grabmal der Familie Gormans auf dem alten Friedhof in Erkelenz / Brückstrasse

Am 01. Oktober 1863 ging er in den Ruhestand und übergab sein  Notariat dem jüngsten Sohn seiner Halbschwester, Notar Leonard Hubert  Jungbluth. Diesen führte er auch in die Güterverwaltung von Tüschenbroich ein. Am 15. April 1867 starb der unverheiratete Justizrat und Notar a.D. Hermann Josef Gormans, 71 Jahre alt, in Erkelenz. In seinem Testament hatte er seine Halbschwester mit deren 8 Kindern als Universalerben seines großen Vermögens eingesetzt, mit der Bedingung, die verschiedensten Legate auszuzahlen. Gormans stiftete in seinem Testament der Stadt Erkelenz Gelder und Grundstücke zum Bau eines Hospitals ( Armen- und Waisenhaus). Am 19.Oktober 1869 wurde der Grundstein dazu gelegt und am 03.Oktober 1871 konnte das Hermann-Josef- Stift am Zehnthofweg, Ecke Westpromenade feierlich eingeweiht werden. Daraus entwickelte sich ein Krankenhaus, das insbesondere nach dem 1. Weltkrieg für Erkelenz ein dringendes Bedürfnis geworden war. 

Gormanns Neffe, der Aachener Advokat Franz Jungbluth wurde der Testamentsvollstrecker und erster Ehrenbürger der Stadt Erkelenz.

                                     


Jungbluth:

Jungbluth, Leonard Hubert wurde am 19.08.1821 in Aachen als jüngster Sohn von 12 Kindern der Eheleute, Justizrat Franz Heinrich Josef und Gertrud, geb. Engels geboren. Er absolvierte das Aachener Gymnasium und studierte Jura in Bonn, Heidelberg und Berlin. 1854 wurde er Notar in Gangelt und 1863 als Nachfolger seines Onkels Gormans Notar in Erkelenz. Auf dem Erkelenzer Markt erbaute er sich 1868 ein neues Wohnhaus und heiratete am 30.01.1869 in Birkenfeld bei Oldenburg die evangelische Emilie Elsinger.

Am 05. Januar 1846 starb sein Vater und am 26.07.1870 seine Mutter Gertrud Jungbluth, geb. Engels  in Aachen-Brand.

Erst nach dem Kriege, am 04. Februar 1872 fand die Teilung des elterlichen Vermögens statt. Neben anderem Besitz übernahm er mit seinem unverheirateten Bruder, Sanitätsrat Dr. med. Bernhard Josef Jungbluth zu gleichen Teilen das Rittergut Tüschenbroich und seine Verwaltung.

[Jungbluth, Franz Heinrich Joseph ~ am 23.02.1775 in Aldenhoven + am 05.01.1846 in Aachen-Brand; Eltern: Jungbluth, Franz Peter, Dr. jur.utr. Jülicher und Bergischer Hofrat oo am 11.09.1763 in Laurensberg mit Weitz, Maria Sibylla  oo am 17.10.1808 in Erkelenz mit Engels, Gertrud *am 04.06.1786 in Rath + am 26.07.1870 in Aachen-Brand; Eltern: Engels, Johann und Cremer, Maria Constantia   Kinder: (insgesamt 12 Kinder)                                                                                                                        

Franz Constantin Jungbluth, Advokat, * am 04.10.1809 in Aldenhoven + am 28.12.1872 in Aachen- Brand oo in Kommern mit Abels, Wilhelmine Hubertine (Testamentsvollstrecker von Gormans, Hermann Joseph)                                        

Bernhard Joseph Jungbluth, Sanitätsrat, Dr. med.,ledig, * am 04.07.1819 in Aachen + am 16.03.1902 in Aachen (erbt die Hälfte von Schloss Tüschenbroich)                    

Leonhard Hubert Jungluth, Justizrat und Notar, * am 19.08.1821 in Aachen + am 05.11.1904 in Erkelenz oo am 30.01.1869 in Birkenfeld bei Oldenburg mit Elsinger, Emilie (erbt die Hälfte von Schloss Tüschenbroich)]

 

Wappen Jungbluth

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Um 1875 wurde der Südturm des Schlosses Tüschenbroich durch Blitzstrahl gespalten und seine Turmhaube vernichtet. Das vernachlässigte Anwesen zerfiel schon seit Jahrzehnten zusehends. Am St. Nikolaustag 1876 stürzte dann bei einem orkanartigen Sturm die Hälfte des Turmes ein und riss auch einen Teil des Westflügels nieder. Um 1877 lies Notar Jungbluth am Südende des Westflügels eine neue Giebelwand als Abschluss errichten. Den gespaltenen, schiefen Südturm lies er als Ruine stehen.


1885 wurde das Dach des Westflügels (Zehntscheune) erneuert. Die alte eiserne Wetterfahne mit dem Spiering`schen Wappen vom zerstörten Südturm erhielt einen neuen Platz auf dem neuerstandenen Dachende des Westflügels.


Noch nach über 100 Jahren hat sich dieser Anblick der Überreste der ehemaligen, so prächtigen Schlossanlage nicht bedeutend verändert.  Seit 1902 steht das Schloss unter Denkmalschutz.

Am 16.03.1902 starb Sanitätsrat Bernhard Jungbluth zu Aachen. Seinen Anteil an Schloss Tüschenbroich vermachte er seinem Neffen und Patenkind Bernhard Jungbluth zu Erkelenz, den jüngsten Sohn seines Bruders Notar Leonard Jungbluth und Elsinger, Emilie. Nun besass der Vater die eine und sein Sohn die andere Hälfte von Schloss Tüschenbroich.

Am 27.Juni 1902 ließ Justizrat Leonard Jungbluth einen Katasterplan des gesamten Tüschenbroicher Besitzes anfertigen. 1903 wurde das Balkenwerk des Nordturmes ausgebessert und der Turm neu geschiefert. Am 05.11.1904 starb Notar und Justizrat a.D. Leonard Jungbluth als sehr vermögender Mann im Alter von 83 Jahren. Seine Witwe Emilie Elsinger, sein Sohn Bernhard und der langjährige Bürovorsteher Heinrich Behrens übernahmen die Vermögensverwaltung von Tüschenbroich.

[ Jungbluth, Leonhard Hubert, Justizrat und Notar, * am 19.08.1821 in Aachen + am 05.11.1904 in Erkelenz oo am 30.11.1869 in Birkenfeld Elsinger, Maria Emilie * am 04.06.1843 in Birkenfeld + am 02.12.1918 in Erkelenz                                               

Kinder:                                                                                                                                             

Gertrud Jungbluth * am 15.03.1870 in Erkelenz + am 23.04.1957 in Köln oo am 14.11.1893 in Erkelenz mit Krapoll, Hermann Josef aus Immerath, (1/6 Anteil an Schloss Tüschenbroich)                                                                                                                         

Maria Elisabeth Jungbluth * am 07.01.1873 in Erkelenz, früh verstorben                                           

Hermann Joseph Jungbluth, Kaufmann,  ledig, * am 21.10.1874 in Erkelenz, ( 1/6 Anteil an Schloss Tüschenboich)                                                                                                                         

Bernhard Jungbluth, ledig, * am 02.05.1876 in Erkelenz + am 24.12.1945 im Krankenhaus Hohenlind in Köln, begraben im Familiengrab Erkelenz-Brückstr.] (4/6 Anteil an Schloss Tüschenbroich)

Bernhard Jungbluth wurde als Sohn der Eheleute Notar Leonard Jungbluth und Emilie Elsinger am 02.Mai 1876 in Erkelenz geboren. Er besuchte die Erkelenzer Stadtschule, danach das Internat Brilon, wo er 1894 das Abitur bestand. 

Am 14.11.1893 heiratete in Erkelenz seine 23 jährige Schwester Gertrud den Amtsgerichtsrat Hermann Josef Krapoll aus Immerath.

Um 1897 erledigte Bernhard seine einjährige Dienstpflicht beim Feldartillerie- Regiment in Trier. Anschließend studierte er Jura in Bonn, später studierte er Medizin. Anfang des Jahres 1914 weilte Bernhard bei seinem Bruder Hermann Jungbluth in Paris, der dort schon länger als Kaufmann lebte.

Hermann Jungbluth wurde am 21.10.1874 in Erkelenz geboren. Er besuchte zuerst die Erkelenzer Stadtschule und nachher die Oberrealschule in Aachen. Um 1894 diente er in Aachen beim Infanterie-Regiment. Als Kaufmann ließ er sich in Paris nieder.

Kurz vor der deutsch – französischen Kriegserklärung im August 1914 konnten die beiden Brüder ohne jegliche Habe, nur mit einem Handkoffer und Papieren aus Frankreich fliehen. Beide zogen wieder in das elterliche Haus am Erkelenzer Markt. Hermann hatte sich für staatenlos erklären lassen und musste nicht in den Krieg ziehen, Bernhard wurde sofort als Reserveoffizier eingezogen.

Ende des 1. Weltkrieges zog Bernhard wieder nach Erkelenz zurück. Am 02.12.1918 starb in Erkelenz seine Mutter Emilie Jungbluth, geb. Elsinger .

Das Rittergut Tüschenbroich erhielten die drei Kinder Gertrud 1/6, Hermann 1/6 und Bernhard zusammen mit seinem bereits erhaltenen Erbe seines Onkels  4/6 Anteil.

Bernhard Jungbluth übernahm die Verwaltung des Schlosses. Um 1928 ordnete Bernhard mit Amtsgerichtsrat Horster  aus Bonn das Tüschenbroicher Schlossarchiv.

Krapoll:

Seine Schwester Gertrud Jungbluth wurde am 15.03.1870 in Erkelenz geboren. Sie besuchte die städtische Mädchenschule, danach das Pensionat Sacré coeur zu Blumenthal bei Vaals Nl.

Mit ihrem Mann, Hermann Josef Krapoll wohnte sie nach ihrer Heirat im Jahre  1893 in Münstermaifeld, Lennep und seit 1900 in Aachen. Nach seiner Ernennung zum Amtsgerichtsrat baute Krapoll um 1909 ein Haus auf der Zollernstr. 24 in Aachen. Dieses Haus wurde 1911 an den Tuchfabrikanten Kaufmann verkauft und die Familie Krapoll zog in das elterliche Haus Krapoll, was sie zusammen mit dem ledigen Bruder Ehrenbürgermeister Wilhelm Krapoll bewohnten. Hermann Josef Krapoll wurde am 23.05.1859 in Immerath geboren, sein Bruder Wilhelm am als Sohn der Eheleute Albert Krapoll und Josephine von Meer. 

Die Familie Krapoll- Jungbluth bestand aus drei Töchtern und einem Sohn.

Josefine Krapoll heiratete den Amtsgerichtsrat Heinrich Hoster aus Bonn.

Emilie Krapoll oo am 04.11.1919 mit dem Dipl. Ing. Hermann Boese aus Köln. Der Sohn Albert Böse geb. 1924 in Köln, verheiratet mit Marlene Lilier bewohnte zeitweise den Schanzerhof in Tüschenbroich. Marlene Boese verstarb 2009 in Varbrook, begr. in Tüschenbroich.

Sophie Krapoll wurde 1920 Klosterfrau in Aachen

Paul Krapoll * am 10.09.1904 in Aachen heiratete 1934 in erster Ehe Inge Kayser aus Berlin und in 2. Ehe Margot Sarre 1958 in Wegberg.

Margot Krapoll, geb. Sarre verstarb 2010 und ihr Mann Paul Krapoll, Kaufmann am 01.06.1964, begraben auf dem Friedhof in Tüschenbroich.

Aus erster Ehe mit Inge Kayser hatte Paul Krapoll drei Kinder, Helga, Klaus und Bernd.

Bernd Krapoll * 1937 wohnte bis zu seinem Tode 2006 mit seiner Stiefmutter Margot auf Schloss Tüschenbroich

Klaus Krapoll, geb. in Berlin- Charlottenburg, Hotelkaufmann und seine Frau Ute bewirtschafteten bis 2005 das gehobene Restaurant in der ehemaligen Kornmühle am Tüschenbroicher Weiher, danach übernahmen seine Söhne Carsten, Gastronom und Jörg, Diplom- Landschaftsökologe den elterlichen Betrieb, die „Tüschenbroicher Mühle“, die schon seit über 200 Jahren der Gastronomie dient, davon über 50 Jahre unter der Familie Krapoll. Jörg Krapoll wohnt heute im renovierten oberen Trakt des Schlosses.

Kehren wir noch einmal zu Jungbluth zurück:

Am 03. September 1939 erklärte England und Frankreich dem Diktator und Reichskanzler Hitler den Krieg, der sich zu einem 2. Weltkrieg entwickelte. Viele Bomben wurden auf Immerath geworfen, als Amtsgerichtsrat a.D. Hermann Josef Krapoll dort todkrank zu Bett lag. Am 12.12. 1944 floh Gertrud Krapoll, geb. Jungbluth mit ihrem Mann im Krankenwagen von Immerath nach Bonn zu ihrer Tochter Josefine, deren Mann Heinrich Horster als Kriegsgerichtrat eingezogen war. Kurz nach ihrer Flucht wurde das Haus Krapoll in Immerath von feindlichen Tieffliegern zerschossen und dreizehn Personen getötet. Am 16.01.1945 legte ein schwerer Bombenangriff ganz Erkelenz in Trümmer, darunter auch das Haus am Markt 11 der Familie Jungbluth. Nur der Hauskeller wurde gerettet aber später  nach und nach geplündert, mitsamt dem Jungbluth-Archiv.

Am 21.03.1945 starb nach langem Leiden Hermann Josef Krapoll im Hause seiner Tochter in Bonn. Sein Leichnam wurde auf den Tüschenbroicher Friedhof überführt und dort beigesetzt.

Am 01. Oktober 1944 wurde die Familie des Schlossverwalters Kohlen von Deutschen zwangsweise nach Dedesen (Kreis Neustadt) evakuiert. Das Schloss war nun ohne jeglichen Schutz. Bernhard Jungbluth nahm die wertvollsten Dokumente, meist Pergamente mit nach Erkelenz, um sie in seinem Luftschutzkeller vor Bomben, Brand und Diebstahl zu retten. 1944 war auf Schloss Tüschenbroich und in der Mühle ein deutsches Feldlazarett errichtet worden mit dazu gehöriger Apotheke. Am 09. Juli 1945 kehrte die Familie Kohlen nach Schloss Tüschenbroich zurück. Durch Luftdruck und Bombeneinschlag waren das Dach und alle Fensterscheiben zerschlagen. Die Decke im Treppenhaus hing herunter, viele Möbel waren verschleppt oder beschädigt. Ausgehängte Türen lagen im Schlosshof. Das Schlossarchiv lag zerknüllt und verdreckt auf dem Speicher. In den 1950er Jahren übernahm die Stadt Wegberg, den auf Schloss Tüschenbroich verbliebenen Restbestand des Archivs.

Die Brüder Hermann und Bernhard Jungbluth wurden nicht zu militärischen Diensten eingezogen. Als im Juni 1944 die Amerikaner in Frankreich landeten, rückten sie mit Russen, Engländer und Franzosen konzentriert mit Truppen und Bomben auf Berlin vor. Der Krieg war für die Deutschen verloren. Bernhard und Hermann verstauten ihre Wertsachen im Keller am Erkelenzer Markt und flohen am 15.11.1944 nach Thüringen ins Rittergut Schwandlitz über Schmölln. Im Dezember 1945 kehrten sie wieder erschöpft und ausgehungert nach Köln zurück. Hermann fand Unterkunft bei seiner Nichte Böse in Köln-Marienburg, Bernhard Jungbluth starb  am 24.12.1945 im Kölner- Krankenhaus Hohenlind. Seine Leiche wurde nach Erkelenz überführt und am 07.01.1946 im Familiengrab an der Brückstraße beigesetzt.

Am 26.12.1945 zogen die Geschwister Gertrud Jungluth, verwitwete Krapoll und der ledige Hermann Jungbluth mit der Haushälterin Reinartz in die Tüschenbroicher Mühle. Der Pächter Königs hatte ihnen drei Zimmer eingeräumt. Nach dem Tode des ledigen Bruders Berhard erbten die Beiden je zur Hälfte das Rittergut Tüschenbroich mit seinen Mühlen und Ländereien. Die Verwaltung wurde gemeinsam ausgeführt.

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Quellen:

Hermann Josef Gormanns und Franz Jungbluth, die Stifter des Erkelenzer Krankenhauses, Heimatkalender der Erkelenzer Lande 1956, Seite 37-42 von Hermann Jungbluth

Erkelenzer Straßen; Schriften des Heimatvereins der Erkelenzer Lande Nr. 3, Seite 84-87, H.-J.-Gormanns-Straße

Kirchenbücher rk Aldenhoven, Beeck,Erkelenz,Keyenberg,Laurensberg, Lövenich,Wanlo und Wegberg

Standesamtsregister  Aachen, Erkelenz, Immerath, Wegberg (PSA Brühl)

Hauptstaatsarchiv Düsseldorf (Testamente)

Spiering- Archiv

Die Kunstdenkmäler des Kreises Erkelenz-Edmund-Renard; Seite 108-111

Chronik der St. Lambertus Bruderschaft Tüschenbroich 2008

Geschichte der Gemeinde Wegberg 1912, Adolf Vollmer, Seite 116-124

Orts- und Familienforschung Werner und Sibylle Cremer ( Brunbeck, Geneiken, Tüschenbroich/ Krapoll, Kohlen, Ohoven, Middelman)